AMERIKA - der Norden - Mexiko

Dezember 2017 – Baja California Sur

1.100 km gefahren

Text: Martina / Fotos: Hermann + Martina / Filme: Martina

 

 

Ende November ging es für uns weiter durch den Süden der Halbinsel. In La Paz wurde nochmal ordentlich Verpflegung bei Sam´s Club und Walmart eingekauft – wann bekommt man hier schon mal Brie und Salamie?

Hotel California und Schildkrötenbabys in Todos Santos

Nächster Halt: Todos Santos

Der Ort liegt quasi direkt auf dem Nördlichen Wendekreis (Wendekreis des Krebses) und somit in den Tropen. Das Klima ist aber gemäßigt und statt 30°C haben wir hier angenehme 25°C. Die etwa 500 Einwohner sind ein buntes Gemisch aus Fischern, Surfern, Alt Hippies und Künstlern, davon etliche „Gringos“. Es gibt viele wunderschöne kleine Lokale, Läden und Restaurants mit Stil und Flair. Der Ort boomt und wohlhabende Amerikaner machen den Immobilienmarkt teuer. Dafür sieht man viele sehr schicke Villen, besonders in der Nähe des Strandes.

Dort sind die Wellen zu mächtig zum Schwimmen aber es gibt gute Surfspots. Die Sonnenuntergänge sind toll und wir sehen die ersten Wale (wenigstens von Weitem).

 

Ach ja: im Ort gibt es das – oder besser: ein „Hotel California“. Es ist sehr hübsch und ein Besuch durchaus zu empfehlen aber es ist genauso wenig DAS von den Eagles besungene „Hotel California“, wie all die anderen dieser Welt, jedenfalls sagt das die Band und die sollten es wissen.

Wir stehen mitten zwischen Dünen, keine 50 m neben der Schutzhütte „Tortugeros las Playitas“. Eine von mehreren Freiwilligen Aktionen an den Stränden der Baja für bedrohte Meeresschildkröten und gefährdet sind leider alle 7 Arten dieser Welt, 6 davon findet man in den mexikanischen Gewässern.

Allein 3 Sorten legen Ihre Eier hier am Strand von Todos Santos ab. Bei uns wäre wahrscheinlich der komplette Strand eingezäunt und unzugänglich – hier ist es das andere Extrem: überall Spuren von Autos und Quads im tiefen Sand.

Damit die Baby-Schildkröten ihren Weg ungehindert von streunenden Hunden und wilden ATV Fahrern finden, versuchen Freiwillige so viele Gelege wie möglich zu finden und in einem geschützten Abschnitt wieder einzubuddeln. 50 Tage brauchen die Eier dann, bis es zum großen Rennen kommt.

(Ich muß gerade lachen...draußen ist ein amerikanisches Paar und bestaunt den Wagen: Holy Moly etc. dann Er: „Is it an UNIMOG?“, darauf Sie: „No, it is an A-LE-MA-NIA“....)

Wir haben riesiges Glück: Am 2. Tag erleben wir morgens, wie 2 Aktivisten 2 Gelege bringen und vorsichtig einbuddeln (jedes ca. 70 Eier). Sie erzählen uns, dass sie ein weiteres Nest gefunden haben und dieses wäre heute so weit, dass die Tiere schlüpfen.

Am Abend fahren die beiden samt Familie und einigen Helfern vor und bringen 2 Schüsseln voll mit Mini-Schildkröten. Die Aktion hat sich herumgesprochen und einige Zuschauer haben auch den Weg hierher gefunden.

An diesem Abend waren wir auch nicht die einzigen Overlander aus Deutschland am Strand, denn kurz nach Bille+Thomas mit ihrem IVECO „IVO“ kam Bernhard um die Kurve gefahren. Diesmal hat Hermann auch ein Foto gemacht:

Das südliche Kap (Cabo) der Baja

Den südlichsten Teil der Baja mit seinen Touristen-Centren Cabo San Lucas und San José del Cabo durchfuhren wir zügig. Es sind die Traumstädte der Amerikaner, d.h. es gibt ein halbes Dutzend Golfplätze, Nobelboutiquen, feine bis feinste Hotels und protzige Villen, daneben Fast Food, Walmart, Home Depot etc. dazu Mittelklasse Unterkünfte und Ballerman-artige Lokale (Hier findet im Frühjahr der berüchtigte Spring-Break mit Horden von besoffenen US Studenten statt).

Kurz: das Mallorca der Amerikaner.

 

Uns sind einsame Traumstrände lieber und die findet man auch schon wieder direkt hinter den Orten. Ab hier ist Piste und wir fuhren schon früh von der noch ein paar km weiter geteerten Straße ab auf die sandige Dirt-Road am Meer. Allerdings kamen wir da nur etwa 2 km weit, dann war die „Straße“ nicht mehr nur unglaublich holprig sondern mal eben fast komplett weg. Wir hatten schon ein total zerstörtes Autohaus bei Cabo gesehen und auch hier hatte der September Sturm und heftiger Regen zugeschlagen.

Kleine Allrad PKW und Motorräder haben eine alternative Schneise gefahren aber die war für uns zu schmal. Da wir unseren Eddie hier nicht auf die Seite schmeißen wollten war eben Ende für uns. Der Küstenabschnitt ist sehr schön mit skurrilen Lavafelsen und wir blieben einfach die Nacht über dort stehen und wurden mit der Showeinlage „springende Manta-Rochen“ beglückt.

Kite-Surf Hotspot La Ventana

Unsere nächsten Stops waren La Ribera, Los Barilles und dann La Ventana: DAS Kite-Surf Eldorado der Baja – besonders im Januar, wenn die besten Winde sind. Da sind dann mal schnell hunderte Surfer auf dem Wasser.

Als wir kurz hinter der Stadt in einem der trockenen Flussbetten standen lernten wir zum einem Fritz + Monika aus Österreich kennen und durch sie eine Menge über´s Surfen und zum anderen wie ein Big Day für die Kiter aussieht, denn es wurde richtig stürmisch (Windstärke 8) und dies für 2 Nächte und einen Tag.

Beim Strandlauf wird man gesandstrahlt und im Schlaf fühlt man sich wie auf einem Boot aber die Show auf dem Wasser ist 1A!

Und ich habe dafür rechtzeitig die Zeitlupen-Funktion der Kamera entdeckt ;-)

Ruhige Strandtage

Nach La Ventana schloß sich der Kreis durch den Süden der Baja für uns in La Paz dann wieder. Nun war erst mal nur noch Strand-Hopping angesagt und wir verbrachten ruhige Tage mal hier mal da. Da langsam immer mehr andere Reisende eintrudeln, entstehen immer wieder nette Begegnungen. Bücher, Infos und Erfahrungen werden getauscht und es ist immer spannend andere Lebensentwürfe kennenzulernen.

Werkstatt Besuch in La Paz

Endlich mal Zeit für Sport, Lesen, Spanisch lernen und solche Dinge, die beim ständigen Unterwegssein eben zu kurz kommen.

So hatten wir auch Zeit mal wieder die Räder beim STEYR zu tauschen (Hinten ↔ Vorne).

Leider entdeckten wir dabei, dass ein Bremsbelag schon sehr abgenutzt ist – die anderen sahen dagegen noch sehr gut aus.

Okay – mit den verbliebenen 2-3 mm kommen wir noch einige Kilometer aber wir wollten sicher stellen, dass die Bremse gängig ist und versuchen, wie es mit Ersatz in Mexiko aussieht. Dazu machten wir eine LKW Werkstatt (Kenworth) in La Paz ausfindig und fuhren einfach mal vor.

Der Chef holte erst mal seinen Englisch sprechenden Vorarbeiter und gemeinsam ging es kurzerhand zu einer Bremsenfachwerkstatt. Dort guckten sie sich die Bremsen an und meinten: die können wir restaurieren!

Zurück bei Kenworth wurden die vorderen Reifen abmontiert um sich die Bremsen genau ansehen zu können und dann die 4 Beläge an der betroffenen Bremse ausgebaut.

Mit diesen fuhr ein Bote zu der anderen Werkstatt und dann hieß es warten.

Diese 2 Stunden waren nix für Hermanns Nerven – er stellte sich das Schlimmste vor und sah uns schon dort festsitzen. Letztendlich bekamen wir die Beläge im gleichen Zustand zurück, da man doch eingesehen hat, dass da nichts zu nieten oder sonst wie zu restaurieren war.

Immerhin waren die Bremsen gereinigt, alles war gängig und funktionierte einwandfrei.

Da Hermann immer ganz nah dran war hatte er verhindert, dass die komplette Bremse demontiert worden war und dass wir nicht die falsche Bremsflüssigkeit eingefüllt bekommen hatten. Vertrauen ist gut – Kontrolle noch besser.

Nun müssen wir uns die Beläge eben woanders besorgen.

Weihnachtsfeiertage 2017

Das Jahr neigte sich nun dem Ende zu und wir verbrachten schöne Feiertage in La Ventana bei Monika, Fritz, Thomas und Miriam.

 

Und was fehlte hier? Richtig! Wale! Aber da hoffen wir auf den Januar und Hermann wird berichten ob wir nun Grauwale gesehen haben oder nicht.